LOD 350 reicht für die Ausführungsplanung. Für den Modulbau reicht es nicht. Wer mit LOD 350 in die Produktion geht, baut Kollisionen in die Werkhalle ein. Dieser Beitrag erklärt, warum LOD 400 für prefabrizierte HLKSE-Module der Mindeststandard sein sollte und welche konkreten Kollisionen LOD 350 nicht verhindert.
Das LOD-Spektrum kurz erklärt
Level of Development wurde ursprünglich vom AIA definiert als Stufenmodell für BIM-Detailtiefe:
- LOD 100 — Massenmodell
- LOD 200 — generische Geometrie mit ungefährer Lage
- LOD 300 — spezifische Objekte mit exakter Geometrie
- LOD 350 — Verbindungsdetails und Schnittstellen
- LOD 400 — fertigungsreif mit Befestigungspunkten, Toleranzen, Montagehinweisen
Warum 400 nicht optional ist
Der Unterschied zwischen 350 und 400 wirkt auf Papier marginal. In der Praxis entscheidet er über Produktionsqualität. Ein LOD-350-Modell zeigt, wo ein Lüftungsrohr durch den Modulkern läuft — aber nicht, wo genau die Schelle sitzt, welcher Schraubenabstand zur Beplankung eingehalten werden muss, und ob die Schelle den zertifizierten Brandschutz verletzt.
Bei LOD 400 sind diese Details im Modell. Der Fabrikator kann das IFC direkt in die CNC-Ansteuerung exportieren. Kollisionen mit Elektroführung, Sanitärleitungen oder Abluftdurchführungen werden im Modell erkannt, nicht auf der Baustelle.
Die Zahlen für ein typisches Hochhausprojekt
Bei einem 18-stöckigen Hochhaus mit 216 Wohneinheiten sparen wir durch LOD 400:
- 680 Stunden Montagezeit (−12 bis 18 %)
- Zwei Wochen Bauzeitverkürzung pro Modultyp
- Zwei Drittel weniger Nachtragsanträge
Der Mehraufwand für LOD 400 bei der BIM-Koordination liegt bei 40 bis 60 Stunden pro Projekt. Das Verhältnis zwischen Mehraufwand und Einsparung ist 1:10 bis 1:15.
Koordinationstiefe in der Praxis
LOD 400 erfordert enge Zusammenarbeit zwischen Bauingenieur, Fabrikator und HLKSE-Planer. In der Praxis verläuft das in drei Runden:
- Clash-Detection gegen Architekturmodell in LOD 300
- Verfeinerung auf LOD 400 mit Produktionsmarken des Fabrikators
- Abschlussrunde mit Elektro- und Statik-Gewerken
Pro Runde zwei bis drei Arbeitstage, insgesamt also eine bis zwei Wochen.
Wann reicht LOD 350?
LOD 350 ist ausreichend bei:
- geringem Vorfertigungsgrad
- Projekten ohne Brandschutzzertifizierung
- Einzelobjekten unter 500 m² Nutzfläche
Bei prefabrizierten Modulen für Hochhäuser, Hotels oder Spitäler ist LOD 400 praktisch alternativlos.
RaBec-Workflow
Wir arbeiten in Revit 2024 und Autodesk Construction Cloud, exportieren IFC 4.3, liefern LOD 400 ab Leistungsphase 4. Für internationale Projekte auch Archicad 27 und Bentley OpenBuildings.
BIM-Koordinations-CV pro Projekt: zwei zertifizierte HLKSE-Planer mit Fraunhofer-Akkreditierung.